Von Homberg nach Ziegenhain
Zwei Orte – ein Weg der hessischen Reformation
Die Homberger Synode legte 1526 wichtige Grundlagen für die Reformation in Hessen. Zwölf Jahre später wurden in Ziegenhain zentrale Gedanken weiterentwickelt und in kirchliche Praxis überführt.
Ziegenhain begann nicht bei Null
Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung steht in einer Entwicklung, die bereits mit der Homberger Synode von 1526 begonnen hatte.
In Homberg stellte Landgraf Philipp die grundlegende Frage, wie Kirche und Gesellschaft in Hessen nach den Gedanken der Reformation neu geordnet werden sollten. In Ziegenhain ging es später darum, diese neue Kirche konkret zu organisieren und Verantwortung innerhalb der Gemeinden zu regeln.
Homberg – die Grundentscheidung
In der Stadtkirche St. Marien ließ Landgraf Philipp über die Einführung und Gestaltung der Reformation in Hessen beraten.
Die Reformation gemeinsam beraten
Philipp berief Geistliche, Vertreter der Ritterschaft, der Städte und weitere Stände nach Homberg. Über den zukünftigen Weg der Kirche sollte nicht allein am Fürstenhof entschieden werden.
Ein Entwurf für eine neue Kirche
Lambert legte 158 Thesen vor. Aus seinen Vorstellungen entstand die „Reformatio Ecclesiarum Hassiae“ – ein außergewöhnlich weitgehender Entwurf für eine evangelische Kirchenordnung.
Kirche sollte von der Gemeinde mitgetragen werden
Die Homberger Ordnung war ihrer Zeit in vielen Punkten voraus.
Sie wollte den einzelnen Gemeinden eine ungewöhnlich starke Stellung geben. Geistliche und Gemeindemitglieder sollten gemeinsam Verantwortung übernehmen, und Synoden sollten zu einem festen Bestandteil kirchlicher Leitung werden.
Luther bremste den großen Entwurf
Philipp legte die Homberger Ordnung Martin Luther vor. Luther war gegenüber einer umfassenden Neuordnung „auf dem Papier“ skeptisch und empfahl ein vorsichtigeres, schrittweises Vorgehen.
Die Homberger Ordnung wurde deshalb nicht vollständig in Kraft gesetzt. Ihre Gedanken verschwanden jedoch nicht.
Der Weg von Homberg nach Ziegenhain
Homberger Synode
Grundsatzentscheidung für die Reformation in Hessen.
Universität Marburg
Philipp gründet die erste evangelische Universität.
Neue Kirchenstrukturen
Superintendenturen, Visitationen und kirchliche Ordnungen festigen die Reformation.
Ziegenhain
Gemeinde, Kirchenzucht und persönliche Glaubensverantwortung erhalten eine neue, verbindlichere Gestalt.
Aus Grundgedanken wird kirchliche Praxis
Ziegenhain übernimmt nicht einfach die Homberger Ordnung. Aber zentrale Gedanken der hessischen Reformationsentwicklung werden nun konkreter und praktikabler ausgestaltet.
Gemeinde
Die Gemeinde erhält eigene Verantwortung für das kirchliche Leben.
Älteste
Gewählte Gemeindeglieder übernehmen gemeinsam mit den Pfarrern Verantwortung.
Kirchenzucht
Kirchliche Konflikte werden stärker innerhalb der Gemeinde geregelt.
Konfirmation
Unterricht und eigenes Glaubensbekenntnis führen zu bewusster Verantwortung in der Gemeinde.
Adam Krafft verbindet beide Orte
Die Verbindung zwischen Homberg und Ziegenhain lässt sich sogar an einer Person festmachen.
1526 machte Adam Krafft das von Franz Lambert entwickelte Reformprogramm den deutschsprachigen Teilnehmern in Homberg verständlich. 1538 gehörte er als Superintendent von Marburg zu den Beratenden in Ziegenhain und später zu den Unterzeichnern der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung.
Philipp der Großmütige
Hinter beiden Entwicklungen stand Landgraf Philipp. 1526 schuf er in Homberg den politischen Raum für die Reformation. 1538 holte er Martin Bucer nach Hessen, um einen neuen religiösen Konflikt nicht nur durch Zwang, sondern durch Verständigung zu lösen.
Homberg und Ziegenhain sind keine getrennten Episoden, sondern zwei Etappen derselben hessischen Reformgeschichte.
Homberg und Ziegenhain gehören zusammen
Die Richtung bestimmen
Wie soll eine evangelische Kirche in Hessen grundsätzlich aussehen?
Die Idee konkretisieren
Wie kann diese Kirche in den Gemeinden praktisch funktionieren und Verantwortung organisieren?
Homberg war der Anfang – Ziegenhain die Weiterentwicklung
Die Geschichte der Konfirmation lässt sich deshalb nicht isoliert betrachten. Sie gehört zu einem längeren Reformprozess, der Homberg und Ziegenhain miteinander verbindet.

