Die Unterzeichner
Die Männer hinter der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung
Am Ende der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung werden zehn Geistliche genannt, die in Ziegenhain zusammengekommen waren und an der kirchlichen Ordnung mitgewirkt hatten.
Wer setzte seinen Namen unter die Ordnung?
Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung war das Ergebnis gemeinsamer Beratungen. Am Ende des Textes werden zehn geistliche Vertreter namentlich aufgeführt.
Sie kamen aus verschiedenen Orten der Landgrafschaft Hessen: aus Marburg, Alsfeld, Homberg, Kassel, Nidda, Melsungen, Gießen, Allendorf und Treysa.
Unter ihnen waren Superintendenten, Professoren und Pfarrer. Gemeinsam standen sie für die Umsetzung der Reformation in den Gemeinden Hessens.
Zehn Namen am Ende der Ordnung
Die historische Edition weist ausdrücklich darauf hin, dass nur die geistlichen Vertreter der Synode unterschrieben.
Zehn Geistliche aus Hessen
Die Namen erscheinen am Schluss der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung in dieser Reihenfolge.
Adam Krafft
Einer der einflussreichsten Theologen der hessischen Reformation. Krafft wirkte als Prediger, Visitator, Superintendent und Schulreformer.
Tilemann Schnabel
Theologe und Reformator der Stadt Alsfeld. Er gehörte zu den prägenden Geistlichen der frühen hessischen Reformationszeit.
Johannes Kymäus
Als Superintendent gehörte Kymäus zur geistlichen Führung der reformierten Kirche in Hessen und war an den Beratungen in Ziegenhain beteiligt.
Gerhard Geldenhauer
Der Humanist und Theologe Gerhard Geldenhauer, auch Noviomagus genannt, lehrte an der Universität Marburg und gehörte zum akademischen Umfeld der hessischen Reformation.
Dionysius Melander
Melander war Pfarrer und einer der bekannten reformatorischen Prediger Hessens. Er stand zeitweise auch in engem Umfeld Landgraf Philipps.
Johannes Pistorius Niddanus
Pistorius wirkte als Pfarrer in Nidda. Der Zusatz „Niddanus“ verweist unmittelbar auf seinen Wirkungsort.
Johannes Lening
Der 1491 in Butzbach geborene Lening war zunächst Mönch und später Pfarrer in Melsungen. Dort wirkte er über mehrere Jahrzehnte.
Daniel Greser
Greser war von 1532 bis 1542 Pfarrer in Gießen. Später wirkte er als Pfarrer und Superintendent in Dresden.
Theodorus Fabricius
Fabricius kam 1532 nach Hessen und wirkte ab 1536 als Pfarrer in Allendorf. Später wurde er Superintendent in Zerbst.
Bartholomäus Grentzebach
Grentzebach stammte aus Homberg und war von 1533 bis 1547 Pfarrer in Treysa. Damit stammte einer der zehn Unterzeichner unmittelbar aus dem heutigen Schwalmstadt.
Und Martin Bucer?
Martin Bucer war einer der entscheidenden Köpfe der Ziegenhainer Beratungen – sein Name steht jedoch nicht unter den zehn geistlichen Unterzeichnern.
Bucer war auf Wunsch Landgraf Philipps nach Hessen gekommen und hatte zuvor Gespräche mit Vertretern der Täufer geführt.
Seine theologischen Vorstellungen prägten die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung wesentlich. Deshalb muss zwischen den namentlich aufgeführten Unterzeichnern und den weiteren maßgeblichen Beteiligten unterschieden werden.
Seine Rolle war für die Entstehung der Ordnung dennoch von zentraler Bedeutung.
Mehr als zehn Männer waren beteiligt
Die Liste der zehn Namen bildet nicht die gesamte Versammlung ab.
Geistliche
Die zehn namentlich genannten Superintendenten, Professoren und Pfarrer bildeten die geistliche Seite der Beratungen.
Fürstliche Räte
Auch Räte Landgraf Philipps nahmen an den Beratungen teil und billigten die gefundene Ordnung.
Abgesandte der Städte
Vertreter hessischer Städte waren ebenfalls anwesend und wurden in den Beratungsprozess einbezogen.
Martin Bucer
Der Straßburger Reformator wirkte maßgeblich an der theologischen Ausgestaltung der Ordnung mit.
„Diese sein die Namen …“
Die Ordnung leitet die Namensliste mit dem Hinweis ein, dass dies diejenigen seien, die in Ziegenhain zusammengekommen waren und sich mit der christlichen Kirchenzucht befasst hatten.
„Diese sein die namen, dero so zu Ziegenhain bei einander gewesen und sich diser christlichen zucht bedacht haben“
Aus Beratung wurde Ordnung
Genau dieses Zusammenspiel macht Ziegenhain zu einem besonderen Ort der Reformationsgeschichte.

