Geburtsstunde der EKD
Treysa wird 1945 zu einem wichtigen Ort des evangelischen Neubeginns.
Nur wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen in Hephata evangelische Kirchenvertreter aus ganz Deutschland zusammen. Hier begann die Neuordnung des deutschen Protestantismus.
Ein Neubeginn nach Diktatur und Krieg
1945 stand nicht nur Deutschland vor einem Neuanfang. Auch die evangelischen Kirchen mussten ihre Strukturen neu ordnen und ihre gemeinsame Zukunft bestimmen.
Die bisherige kirchliche Ordnung war durch Nationalsozialismus, Kirchenkampf und Krieg schwer belastet. Gleichzeitig bestand der Wunsch, die evangelischen Landeskirchen wieder miteinander zu verbinden, ohne ihre unterschiedlichen Traditionen aufzugeben.
In dieser Situation wurde Treysa zum Treffpunkt führender evangelischer Kirchenvertreter. Vom 27. bis 31. August 1945 kamen sie im Kirchsaal von Hephata zusammen.
Ein Anfang mit Wirkung bis heute
In Treysa entstand die vorläufige Ordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Ort wurde damit Teil der deutschen Kirchengeschichte der Nachkriegszeit.
Drei Schritte zum Neubeginn
Die Konferenz musste sehr unterschiedliche evangelische Traditionen zusammenführen. Am Ende stand ein Kompromiss, der die Eigenständigkeit der Landeskirchen bewahrte und zugleich eine gemeinsame Kirche ermöglichte.
Das Treffen beginnt
Führende Vertreter der evangelischen Landeskirchen treffen in Hephata zusammen. Die zentrale Frage lautet: Wie soll der deutsche Protestantismus nach 1945 weitergehen?
Einheit ohne Einheitskirche
Lutherische, reformierte und unierte Kirchen ringen um eine gemeinsame Struktur. Die Landeskirchen bleiben selbstständig, schließen sich aber enger zusammen.
Die vorläufige Ordnung
Die Konferenz beschließt eine vorläufige Ordnung der Evangelischen Kirche in Deutschland und setzt einen ersten Rat ein.
Der erste Rat der EKD
Die neue gemeinsame Struktur brauchte eine Leitung. In Treysa wurde ein zwölfköpfiger vorläufiger Rat eingesetzt.
Theophil Wurm
Der württembergische Landesbischof gehörte zu den entscheidenden Initiatoren der Konferenz und wurde zum ersten Vorsitzenden des Rates gewählt.
Zwölf Mitglieder
Sechs Mitglieder kamen aus lutherischen, vier aus unierten und zwei aus reformierten Kirchen.
Kirche im Wandel
Zu den Beteiligten gehörten unter anderem Martin Niemöller, Hans Meiser, Heinrich Held, Hanns Lilje, Wilhelm Niesel und Otto Dibelius.
Hilfe für die Menschen
Der kirchliche Neubeginn war nicht nur eine Frage von Verfassungen und Ämtern. Die unmittelbare Not der Nachkriegszeit verlangte praktische Hilfe.
In Treysa wurde deshalb auch das Evangelische Hilfswerk auf den Weg gebracht. Es unterstützte Menschen, die durch Krieg, Zerstörung, Flucht und Vertreibung in Not geraten waren.
1957 ging das Hilfswerk gemeinsam mit der Inneren Mission im Diakonischen Werk der EKD auf.
Aus Verantwortung handeln
Der Neubeginn der Kirche sollte sich nicht nur in neuen Strukturen, sondern auch in konkreter Hilfe für Menschen zeigen.
Ziegenhain 1539 · Treysa 1945
Innerhalb des heutigen Schwalmstadt liegen zwei Orte, an denen evangelische Kirchengeschichte weit über die Region hinaus geprägt wurde.
Ziegenhain
Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung gibt einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung der evangelischen Konfirmation.
Treysa
Die Kirchenführerkonferenz in Hephata setzt einen entscheidenden Impuls für die Neuordnung des deutschen Protestantismus.

