100 Jahre Klanggeschichte in Ziegenhain

Großes Choralblasen am 27. September auf dem Paradeplatz
Ziegenhain. Am Sonntag, 27. September 2026, um 18 Uhr kommen die Posaunenchöre des Kreisverbandes Ziegenhain auf dem Paradeplatz und am Kirchturm der Schlosskirche zu einem großen Choralblasen zusammen. Die Veranstaltung ist Teil des Jubiläumsjahres zum 100-jährigen Bestehen des Evangelischen Posaunenchors Ziegenhain und verbindet auf besondere Weise Musik, Kirchengeschichte und die fast ebenso alte Geschichte des heutigen Glockengeläuts der Schlosskirche.

Der Ort könnte kaum passender gewählt sein: Paradeplatz, Schlosskirche und Kirchturm sind seit Jahrhunderten eng mit der Geschichte Ziegenhains verbunden. Auch musikalisch führt eine bemerkenswerte Spur genau einhundert Jahre zurück.
1926 begann eine neue Klanggeschichte
Im Jahr 1926 gründeten Männer des CVJM auf Initiative von Pfarrer Julius Paulus den Evangelischen Posaunenchor Ziegenhain. Bereits zu Weihnachten desselben Jahres waren die Bläser erstmals öffentlich zu hören.
Fast zur gleichen Zeit veränderte sich auch die Schlosskirche entscheidend. Bei der großen Renovierung in den Jahren 1926/27 erhielt die Kirche ihre neue Glockenstube mit dem weithin sichtbaren Dachreiter. Zuvor hatte sie lediglich ein kleines Glockentürmchen mit einer einzelnen Glocke besessen.
Mit dem Umbau wurden zwei neue Glocken angeschafft und geweiht.
So entstanden innerhalb weniger Monate zwei Klangtraditionen, die Ziegenhain bis heute prägen: das Läuten der Glocken über der ehemaligen Wasserfestung und die Musik des Posaunenchors.
„Fest und treu wie Ziegenhain“
Besonders eng verbindet eine der Glocken die Schlosskirche mit der Geschichte der Stadt. Die größere Glocke trägt die Inschrift:
„Lass uns im Glauben, Herr, stets sein, so fest und treu wie Ziegenhain.“
Der Satz greift den überlieferten Ausspruch „Fest wie Ziegenhain“ auf. Einst stand er für die Stärke der Wasserfestung. Auf der Glocke wird daraus ein Bild für Beständigkeit und Glauben.
Gerade in der Konfirmationsstadt besitzt dieser Gedanke eine besondere Bedeutung. Denn Ziegenhain steht nicht nur für Festungsmauern und militärische Geschichte. Mit der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung von 1539 ist der Ort zugleich eng mit der Entstehung der evangelischen Konfirmation verbunden.

Wenn Posaunen und Glocken zusammentreffen
Hundert Jahre nach der Gründung des Posaunenchors kehrt der Klang nun gewissermaßen an seinen historischen Ausgangspunkt zurück.
Das Choralblasen ist Teil der offiziellen Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen des Evangelischen Posaunenchors Ziegenhain.
Zugleich erinnert der Veranstaltungsort an eine zweite Geschichte, die nahezu zur gleichen Zeit begann: Auch der heutige Glockenturm und das neue Geläut der Schlosskirche entstanden während des Umbaus von 1926/27.
Damit treffen am Paradeplatz rund 100 Jahre Ziegenhainer Klanggeschichte aufeinander.

