Martin Bucer
Der Reformator hinter der Ziegenhainer Konfirmation.
Martin Bucer gehört zu den entscheidenden Persönlichkeiten auf dem Weg zur Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung und zur späteren evangelischen Konfirmation.
Der Mann, den Philipp nach Hessen holte
Martin Bucer war Theologe, Reformator und vor allem ein Vermittler zwischen unterschiedlichen Positionen der Reformation.
Geboren wurde Bucer 1491 im elsässischen Schlettstadt, dem heutigen Sélestat. Zunächst trat er in den Dominikanerorden ein. Nach seiner Begegnung mit Martin Luther wandte er sich jedoch der Reformation zu. Straßburg wurde zum Mittelpunkt seines Wirkens.
Seine besondere Stärke lag darin, unterschiedliche theologische Auffassungen miteinander ins Gespräch zu bringen. Genau diese Fähigkeit machte ihn für Landgraf Philipp von Hessen wichtig.
Aus einem Konflikt entsteht eine neue Lösung
Philipp von Hessen suchte einen Weg, den Konflikt mit den Täufern nicht allein durch Verbote und Verfolgung zu lösen. Martin Bucer sollte vermitteln.
Kindertaufe oder bewusste Entscheidung?
Im Mittelpunkt stand eine grundlegende Frage, die Reformatoren und Täufer voneinander trennte.
Der Glaube braucht eine eigene Entscheidung
Die Täufer lehnten die Säuglingstaufe ab. Ein Mensch sollte ihrer Auffassung nach erst dann getauft werden, wenn er selbst bewusst seinen Glauben bekennen konnte.
Die Kindertaufe sollte bestehen bleiben
Die evangelischen Reformatoren hielten grundsätzlich an der Taufe von Kindern fest. Damit musste ein Weg gefunden werden, Taufe und persönliche Glaubensentscheidung miteinander zu verbinden.
Vom getauften Kind zum mündigen Christen
Bucer verband die Kindertaufe mit einem späteren persönlichen Glaubensbekenntnis. Daraus entstanden wesentliche Elemente der späteren Konfirmation.
Unterricht
Jugendliche sollten die Grundlagen des christlichen Glaubens kennenlernen und verstehen.
Bekenntnis
Sie sollten vor der Gemeinde selbst zu ihrem Glauben Stellung nehmen.
Handauflegung
Gebet, Fürbitte und Handauflegung begleiteten diesen kirchlichen Übergang.
Verantwortung
Der junge Mensch sollte als mündiges Mitglied am Leben der Gemeinde teilnehmen.
Der entscheidende Ort
Im Herbst 1538 kam Bucer nach Hessen. Er führte Gespräche mit Vertretern der Täufer und arbeitete an einer kirchlichen Lösung des Konflikts.
Am 25. November 1538 trat in Ziegenhain eine Synode zusammen. Die dort beratenen Grundsätze gingen in die später sogenannte Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung ein, die 1539 veröffentlicht wurde.
Synode in Ziegenhain
Philipp – Bucer – Ziegenhain
Erst das Zusammenspiel von politischem Willen, theologischer Vermittlung und historischem Ort machte die Ziegenhainer Lösung möglich.
Philipp von Hessen
Der Landgraf suchte bewusst nach einem Weg, den religiösen Konflikt durch Verständigung zu lösen.
Martin Bucer
Der Reformator entwickelte wesentliche theologische und kirchenpraktische Grundlagen.
Ziegenhain
Hier wurden die Überlegungen in eine verbindliche kirchliche Ordnung überführt.
War Bucer der „Erfinder der Konfirmation“?
Martin Bucer wird häufig als „Erfinder der Konfirmation“ bezeichnet. Die Formulierung macht seine Bedeutung verständlich, ist historisch jedoch verkürzt.
Glaubensunterricht, Glaubensprüfung, persönliches Bekenntnis und Handauflegung gab es bereits früher. Neu und folgenreich war ihre Verbindung zu einem geregelten kirchlichen Akt für Heranwachsende.
Die Taufe des Kindes bleibt bestehen – doch der heranwachsende Mensch soll später selbst öffentlich seinen Glauben bekennen.
Eine Idee aus Ziegenhain wirkt weiter
Bis heute gehört die Konfirmation zu den prägenden Traditionen evangelischer Kirchen. Ihre reformatorische Gestalt ist eng mit Martin Bucer und der Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung verbunden.

