Immaterielles Kulturerbe
Schwalmstadt-Ziegenhain hat sich mit seiner lebendigen Konfirmations- und Festkultur um die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes beworben.
Historisch evangelisch verwurzelt, heute international vernetzt und offen für Begegnung: Die Bewerbung verbindet die Geschichte der Konfirmation mit gelebter Tradition, kultureller Bildung, Gemeinschaft und der Weitergabe an neue Generationen.
Bewerbung eingereicht – Entscheidung steht noch aus
Der Verein zur Förderung der Konfirmationsstadt e.V. hat im Oktober 2025 die Bewerbung „Konfirmation und Festkultur in Schwalmstadt-Ziegenhain“ beim Land Hessen eingereicht. Das Auswahlverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Eine Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis ist bislang nicht erfolgt.
Lebendige Kultur statt historisches Denkmal
Immaterielles Kulturerbe bezeichnet keine Gebäude oder historischen Orte. Im Mittelpunkt stehen Wissen, Praktiken und kulturelle Ausdrucksformen, die von Menschen gelebt, verändert und weitergegeben werden.
Genau hier setzt die Bewerbung aus Schwalmstadt-Ziegenhain an: Die historische Bedeutung des Jahres 1539 bildet den Ausgangspunkt – entscheidend ist jedoch, dass Tradition, Gemeinschaft, Glaubenspraxis, Erinnerungskultur und kulturelle Vermittlung bis heute lebendig sind.
Die Bewerbung trägt den Titel „Konfirmation und Festkultur in Schwalmstadt-Ziegenhain – Gelebte Glaubens-, Festungs- und Trachtentradition in der Konfirmationsstadt“.
Von Ziegenhain in die Welt
Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung von 1539 gab einen entscheidenden Impuls für die Entwicklung der evangelischen Konfirmation. Aus einer reformatorischen Idee entwickelte sich eine Tradition, die heute in zahlreichen Ländern und unterschiedlichen kulturellen Formen weiterlebt.
Weitergeben · Verändern · Gemeinsam gestalten
Eine Tradition wird nicht dadurch lebendig, dass sie möglichst unverändert bleibt. Sie lebt, weil Menschen sie übernehmen, weiterentwickeln und an neue Generationen weitergeben.
Von Generation zu Generation
Jugendliche erleben Vorbereitung, Gottesdienst, Segen und Gemeinschaft und entwickeln daraus ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen.
Tradition verändert sich
Unterricht, Gottesdienstformen, Kleidung, Familienfeiern und gesellschaftliche Bedeutung haben sich verändert. Gerade dieser Wandel zeigt, dass die Tradition lebt.
Von vielen Menschen getragen
Gemeinden, Familien, Jugendliche, Vereine, Schulen, Kulturakteure und Ehrenamtliche tragen dazu bei, Geschichte und Tradition weiterzugeben.
Evangelische Tradition. Offener Dialog.
Die Konfirmation ist aus der evangelischen Reformation hervorgegangen und bis heute eine evangelische Tradition. Diese historische und theologische Herkunft wird nicht relativiert.
Gleichzeitig berührt die Konfirmation Fragen, die über konfessionelle Grenzen hinausreichen: Wie finden junge Menschen ihren eigenen Standpunkt? Wann übernehmen sie Verantwortung? Welche Bedeutung haben Glaube, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Segen?
Andere christliche Kirchen kennen eigene Formen der Begleitung junger Menschen – beispielsweise die katholische Firmung. Diese Traditionen sind nicht identisch, eröffnen aber Möglichkeiten zum Austausch über Glaubensmündigkeit, Verantwortung und den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt.
Die Konfirmationsstadt versteht ihren historischen Ursprung deshalb nicht als Abgrenzung. Er soll Ausgangspunkt für ökumenische, interkulturelle und interreligiöse Begegnungen sein.
Unterschiede nicht einebnen. Gemeinsamkeiten entdecken. Glauben, Verantwortung und Gemeinschaft miteinander ins Gespräch bringen.
Von Ziegenhain in die Welt
Ein Wegweiser in Ziegenhain zeigt in zwölf Länder, in denen Konfirmation gefeiert wird. Aus diesem sichtbaren Zeichen entsteht ein internationales Bildungs- und Begegnungsprojekt.
Jugendliche, Schulen, Konfirmandengruppen, Kirchengemeinden und internationale Partner recherchieren, vergleichen und erzählen, wie Konfirmation in unterschiedlichen Ländern vorbereitet und gefeiert wird.
Dabei geht es nicht nur um Unterschiede bei Gottesdienst, Kleidung oder Feier. Das Projekt fragt auch danach, was Glauben, Verantwortung, Zugehörigkeit und Gemeinschaft jungen Menschen heute bedeuten.
Die 12 Pfeile öffnen darüber hinaus bewusst den Blick für andere christliche Traditionen sowie für Menschen anderer Religionen und weltanschaulicher Überzeugungen.
Eine gemeinsame Tradition – viele Geschichten
Aus zwölf Pfeilen sollen zwölf lebendige Verbindungen zwischen Menschen, Schulen, Gemeinden und Ländern entstehen.
Kulturerbe gehört den Menschen
Immaterielles Kulturerbe lebt nicht durch eine Institution allein. Es braucht Menschen, die eine Tradition praktizieren, vermitteln, diskutieren und weiterentwickeln.
Jugendliche und Familien
Sie erleben und gestalten die Konfirmation unmittelbar und geben Erfahrungen, Erinnerungen und neue Formen weiter.
Kirche und Gemeinden
Sie tragen die religiöse Praxis, vermitteln Inhalte und entwickeln Vorbereitung und Feier kontinuierlich weiter.
Schulen und Bildung
Historische, gesellschaftliche und internationale Perspektiven machen die Tradition für neue Generationen zugänglich.
Vereine und Bürgerschaft
Ehrenamtliches Engagement verbindet Geschichte, Kultur, Veranstaltungen und gesellschaftliche Teilhabe.
Geschichte wird zur Gegenwart
Die Bewerbung wird von Projekten begleitet, die historische Forschung, kulturelle Bildung, Beteiligung und moderne digitale Vermittlung miteinander verbinden.
12 Pfeile
Zwölf Länder, internationale Kontakte und ein wachsendes Bildungsprojekt zeigen die weltweite Vielfalt der Konfirmation.
Projekt entdecken →Erzählende Geschichte
Historische Persönlichkeiten, QR-Codes, Videos und digitale Medien machen Geschichte an authentischen Orten unmittelbar erfahrbar.
Geschichte entdecken →Veranstaltungen und Bildung
Führungen, Workshops, Veranstaltungen und internationale Begegnungen schaffen Räume für gemeinsames Lernen und kulturellen Austausch.
Aktuelles ansehen →Ein mehrstufiges Auswahlverfahren
Die Bewerbung durchläuft ein festgelegtes Verfahren auf Landes- und Bundesebene. Die fachliche Bewertung erfolgt durch das unabhängige Fachkomitee Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission.
Bewerbung in Hessen
Die Bewerbung wurde im Oktober 2025 beim zuständigen hessischen Ministerium eingereicht.
Vorauswahl der Länder
Die Länder prüfen ihre Bewerbungen und können eine begrenzte Zahl von Vorschlägen für die Bundesebene weiterreichen.
Fachkomitee
Das unabhängige Fachkomitee bei der Deutschen UNESCO-Kommission bewertet die vorgeschlagenen Kulturformen und spricht Empfehlungen aus.
Bestätigung
Die Auswahl wird abschließend von der Kulturministerkonferenz im Benehmen mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigt.
Geschichte bleibt nicht stehen
Der historische Impuls
Die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung schafft einen wichtigen Ausgangspunkt für die Entwicklung der evangelischen Konfirmation.
Lebendige Tradition
Jugendliche, Familien und Gemeinden gestalten Konfirmation immer wieder neu und tragen sie in unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Kontexte.
Begegnung und Weitergabe
Internationale Kontakte, ökumenischer Dialog, Bildung und digitale Vermittlung öffnen neue Wege für die nächste Generation.

