Luther, Spielszenen und sechs italienische Weine in der Schlosskirche

Eine Reise ins Italien des frühen 16. Jahrhunderts stand im Mittelpunkt der dritten Weinprobe in der Schlosskirche Ziegenhain. Die Veranstaltung des Vereins zur Förderung der Konfirmationsstadt e.V. war ausverkauft. Am Samstag, 26. September, verband der Verein unter dem Titel „Luthers Reise durch Italien“ historische Spielszenen mit der Verkostung von sechs italienischen Weinen und kulinarischer Begleitung.
Den erzählerischen Faden hielt Dekan Christian Wachter in der Rolle des Tilemann Schnabel in der Hand. Er führte durch das Programm und schilderte gemeinsam mit weiteren Darstellern Martin Luthers Weg nach Rom. Gabriele Franke spielte Kunigunde von Lüder, Dr. Tanja Goerres die Schankmagd Johanna und Reinhard Natt den Schankwirt Henner. Ihre Spielszenen gaben dem historischen Thema Figuren und Gespräche.
Eine Frage zog sich durch die Erzählung: Mit welchen Hoffnungen ging Luther nach Rom – und welche Fragen nahm er von dort mit zurück? Der junge Augustinermönch war seiner Kirche verbunden. Rom war für ihn das geistliche Zentrum der westlichen Christenheit, ein Ort religiöser Erwartungen und Verheißungen. Die Stadt, die er dort erlebte, bot jedoch auch Anlass, über das Verhältnis von Frömmigkeit, kirchlicher Praxis und persönlichem Glauben nachzudenken. Was gibt einem Menschen Gewissheit vor Gott? Welchen Wert haben religiöse Handlungen, wenn die innere Überzeugung fehlt?
Die Spielszenen ließen diese Spannung auf Luthers Weg nach Rom und in der Erzählung über seine Rückkehr nach Erfurt lebendig werden. Dabei stand am Ende der Reise noch nicht der Reformator, als den ihn die Nachwelt kennt. Welche Bedeutung Luther seinen Eindrücken gab, veränderte sich im Laufe seines Lebens; seine späteren Berichte über Rom sind auch von den Auseinandersetzungen der Reformationszeit geprägt.
Zwischen den Spielszenen standen die Weine im Mittelpunkt. Tullio Stabilin und Sommelière Antje Schmidt vom Hotel Rosengarten stellten die sechs italienischen Weine fachkundig vor und führten durch die Verkostung. Bruni Ide-Mölleken und ihr Team sorgten für die kulinarische Begleitung. So wechselten sich Geschichte, Schauspiel und Weingenuss im Verlauf des Abends ab.
Die Schlosskirche war dabei mehr als eine ungewöhnliche Kulisse. Ziegenhain besitzt selbst einen wichtigen Platz in der Reformationsgeschichte: Hier wurde 1539 die Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung beschlossen, die eng mit der Entwicklung der evangelischen Konfirmation verbunden ist. Mit Luthers Reise als Thema führte die Veranstaltung gedanklich von Ziegenhain über die Alpen nach Italien und wieder zurück.
Die dritte Weinprobe zeigte erneut das Konzept der Veranstaltungsreihe: Geschichte soll erzählt und gemeinsam erlebt werden. Schauspiel, historische Hintergründe, Wein und Essen griffen an diesem Abend ineinander. Die ausverkaufte Veranstaltung zeigte das große Interesse an dieser Verbindung in der Schlosskirche Ziegenhain.
















